Anscheinend hat ein Zyklon genauso seine Launen wie das Wetter im Allgemeinen. Wir wachen nämlich morgens auf und es hat tatsächlich aufgehört zu regnen und zu winden. Es ist sozusagen wieder blendendes Wetter, als wir uns auf den Weg zum Flughafen machen. Entsprechend geht unser Flug nach Sydney pünktlich. In Sydney haben wir allerdings nicht so viel Glück mit unserem Vierer-Zimmer. Wir haben asiatische Nachbarn, die allerdings die ganze Zeit schlafen. Jetlag ist schon was Komisches. Wir machen es uns auf jeden Fall unten im Aufenthaltsraum gemütlich und nutzen nochmal ausgiebig das Internet, bevor es nach Fidschi geht. Ob und wie wir da Online gehen können, ist nämlich mehr als fraglich.
Letztendlich gehen wir doch nochmal vor die Tür. Wir würden uns nämlich noch gerne einen Reiseführer für die USA kaufen, den wir ja gut als Lesestoff auf Fidschi gebrauchen können. Allerdings scheinen die Australier nicht so interessiert zu sein an ihrem Nachbarkontinent… Ist ja auch gute vierzehn Stunden entfernt. Das einzige Angebot ist ein Lonely Planet, der nicht unbedingt unser Liebling ist und zudem “schweine-teuer”. Da muss man glatt mal die deutsche Buchpreisbindung loben! Hier in Australien werden anscheinend die Preise gewürfelt. Der Lonely Planet soll nämlich mal knapp 10 Euro mehr als UVP kosten. Aber wie wir wissen, ist ja alles in Australien teuer… Zeit die Biege zu machen.
Auf Fidschi werden wir auch gleich mit lauschigen Rhythmen und Blumen im Haar am Flughafen begrüßt. Wir haben unseren Island-Hopping-Trip noch schnell in Australien gebucht, bevor wir losgeflogen sind und haben somit gleich einen freundlichen Empfang vom Reiseunternehmen. Wir kommen erst abends an und sind anscheinend die letzte Maschine, die auf dem kleinen Flughafen landet, weil mehr oder weniger hinter uns zugesperrt wird… Allerdings werden wir mit dem Shuttle zum Hostel gebracht und sollen da auch am nächsten Morgen um Viertel nach Sieben wieder abgeholt werden, um zum Hafen zu fahren. Da wartet dann das Schiff auf uns, was uns in fünf Stunden zu den nördlichsten der Yassawa-Inseln im westlichen Fidschi bringen soll.
Wir sind ordentlich kaputt und packen uns gleich nach dem Essen ins Bett. Glücklicherweise haben wir ab jetzt nur noch Doppelzimmer. Den Luxus wollten wir uns im Südseeparadies mal gönnen. Weil wir Deutschen ja für unsere Pünktlichkeit bekann sind, stellen wir den Wecker so, dass wir vor der Abfahrt um kurz nach Sieben noch Frühstücken können. Als wir also um zwanzig vor Sieben unten an der Rezeption stehen, um Auszuchecken sind wir entsprechend überrascht, dass es schon zwanzig vor Acht ist! Wir haben ja bereits von der berüchtigten “Fidschi-Zeit” gehört. Aber bei der besagten soll es eher langsam und gemächlich zugehen; nicht eine Stunde vor der eigentlichen Zeit! Aber die Uhr hat Recht und wir unseren Transport zum Hafen verpasst!!! AAAAAaaaHHHHhhhhhh!!! In vierzig Minuten geht unser Boot! Das Einzige des Tages! Also schnell ein Taxi her. Ganz schnell!
Als hätte das vor der Tür gewartet (hat es wahrscheinlich sogar), steht auch sogleich ein alter Benz auf dem Hof, um uns zum Schiff zu bringen. Wir schmeißen unser Gepäck in den Kofferraum und los geht’s! Aber hier kommen wir dann zum ersten Mal mit der Fidschi-Zeit in Berührung. Während wir Hände ringend auf der Rücksitzbank sitzen, manöviert uns unser Fahrer ganz gemächlich durch den Berufsverkehr. Lapidar erklärt er uns den Stau damit, dass die Schule nach den Ferien wieder begonnen hat und deswegen mehr Verkehr ist als sonst. Das interessiert uns mal herzlich wenig. Können die Ferien nicht spontan einen Tag länger dauern, so dass sich die sch*** Autos hier mal verkrümmeln?!

Um zehn nach Acht sind wir am Hafen. Aber wo ist der Check-In?! Glücklicherweise versteckt er sich hinter der nächsten Hausecke und wir erhalten unsere Tickets und können uns noch einen Platz oben auf dem Deck sichern, bevor das Schiff mal zehn Minuten zu früh(!!!) ablegt.
Erste Lektion in Fidschi: Zeit ist relativ und ein dehnbarer Begriff – in beide Richtungen!
Übrigens – wer sich wundert, wie wir zu spät sein konnten. Wir haben nicht einfach verschlafen, sondern bei den ganzen Zeitumstellungen mit Winter- und Sommerzeit zwischen Cairns und Sydney und Fidschi irgendwo eine Stunde verloren…oder dazu bekommen. Wer weiß das schon so genau?!

Als wir auf unserer ersten Insel ankommen, bleibt sowieso die
Zeit stehen oder besser gesagt – verliert Zeit jegliche Bedeutung. Zu den Mahlzeiten werden wir per Trommel gerufen. Die sollen zwar zu bestimmten Uhrzeiten sein, aber wer hat schon eine Uhr?! Ansonsten wird der Tag vom Stand der Sonne und den Gezeiten bestimmt. Wenn’s hell wird steht man auf, weil’s dann auch heiß wird. Frühstück und dann warten, bis das Wasser wieder da ist, um sich abzukühlen. Wenn’s ganz heiß ist, gibt es Mittagessen. Dann kann man gut schnorcheln, weil Flut ist. Das machen wir auch und fühlen uns, als würden wir in ein Aquarium tauchen. Hier wimmelt es von Fischen und durch die kurzen Abstände zur Wasseroberfläche, kommt die Sonne überall an und alls schimmert und glitzert. In meinem Kopf singe ich “Beyond the sea”, während ich nach Nemo und seinen Freunden suche.
Abends werden wir immer besungen und betanzt und wenn die Hotelleute ganz gute Laune haben, werden sogar Spielchen gespielt. Nach zwei Mal Schlafen verabschieden wir uns aber schon wieder aus Coral View und fahren in südliche Richtung nach Long Beach. Während Coral View zu den größten Resorts gehört, ist Long Beach klein und abgeschieden. Wir sind vierzehn Leute auf der Insel – und fünf Mann Personal. Das tut der Sache aber gar keinen Abbruch, sondern ist eher spannend und vor allem ent-spannend.
Unser Bungalow liegt direkt am Strand und wir können vom Bett aus das Meer ankucken. Wir sind so nah am Wasser, das das Meeresrauschen schon fast zu laut ist und ich kaum einschlafen kann; beziehungsweise morgens im Bett liege und einfach den Wellen zuhöre, bevor die Trommeln zum Frühstück ertönen.
Am zweiten Tag in Long Beach sind wir nur noch fünf Leute. Wir hatten ja heimlich gehofft, dass außer uns alle anderen Gäste die Insel verlassen und wir ganz alleine bleiben. Aber man kann ja nicht alles haben. Aber auch für fünf Leute ist die Insel groß genug; heißt ja nicht umsonst “Long Beach”. Wir tummeln uns mehr oder weniger den ganzen Tag im Wasser. Viel anderes ist hier nicht zu tun und ich habe ungelogen ungefähr fünfhundert Sandfloh-Bisse, die regelmäßig gekühlt werden müssen, damit ich mir nicht die Haut komplett vom Körper abkratze. Dementsprechend liege ich im Knie tiefen Wasser oder schwimme vor mich hin. Alternativ warten die Hängematten darauf, geschaukelt zu werden und auch wenn wir keinen Reiseführer für die USA haben, gibt es genug Lesestoff, um nie wieder aus dieser Hängematte aufstehen zu müssen.
Aber auch von Long Beach nehmen wir nach zwei Tagen Abschied und fahren weiter nach Korovu; wieder eines der größeren Resorts und sogar mit Pool.
Leider stellen wir fest, dass der Pool auch wirklich sein muss, weil der Strand so steinig ist, dass man schlecht baden kann. Aber was soll’s Pool mit Meerblick ist auch nicht zu verachten und zumindest haben wir hier direkten Blick auf den Sonnenuntergang.
Unser entspanntes Leben geht seinen Gang und man gewöhnt sich so daran, nichts zu tun, dass die Tage viel zu schnell verstreichen. Schon wieder ist die Zeit um und wir begeben uns wieder aufs große, gelbe Boot (wie der Flyer) gerne genannt wird und düsen (der Katamaran ist wirklich schnell) zur nächsten Insel.
Auf Waya Lailai (der kleinen Waya-Insel) werden wir wieder mit Liedern und Gitarre empfangen. Das ist hier Gang und Gäbe: Zum Empfang und Abschied werden Lieder gesungen; und meistens auch noch Zwischendurch und abends zur Unterhaltung. Zudem gibt es Feuertänze und Partyspielchen. Auch auf Waya Lailai wird ordentlich gesungen und gespielt — und es macht sogar ein bißchen (viel) Spaß; auch wenn wir ja für so einen Kram schon viel zu alt sind…
Aber das Highlight hier ist unser morgendlicher Ausflug zum Schnorcheln mit den Reef Sharks. Hört sich aufregend an; ist es auch. Angeblich soll es mehrere – mehr oder weniger zahme – Haie geben, die auch mit Fischen gefüttert werden und entsprechend nah an einen selbst heran kommen. Wir wundern uns jedoch auf dem Weg zum Reef, dass wir kein Fischfutter mit auf dem Boot haben, aber mal abwarten… Sobald wir im Wasser sind, sehen wir schon den ersten Hai auf uns zukommen. Abgefahren, wie die wirklich direkt auf einen zuschwimmen oder plötzlich unter einem auftauchen. Und jetzt erfahren wir auch, wie das mit dem Fischfutter geht: Mit einem schmalen Eisenstab jagt unser Guide Fische. Die frisch erlegte Beute wird dann in Felsspalten gesteckt, so dass sich die Haie ihr Futter dort “erbeuten” können oder direkt an die “Haustiere” verfüttert. Ist vielleicht nicht ganz artgerecht, aber extrem spannend. Vor allem, weil wir tatsächlich die Haie anfassen können. Und wer kann schon von sich sagen, dass er einen Hai gestreichelt hat?! – Fühlt sich übrigens an wie glatte Schlange oder Frosch. Und wer sowas noch nicht angefasst hat, sollte dringend über ein bißchen Abenteuer in seinem Leben nachdenken ;o)
Nach unserem rustikalen Aufenthalt in unserer Bambushütte auf Waya Lailai geht es zum “luxuriösen” Ende des Island-Hoppings auf Bounty Island. Hier haben wir sogar eine Klimaanlage und einen Pool UND einen tollen Strand. Die ganze Insel ist so groß, dass wir sie problemlos in einer halben Stunde umrundet haben. Zudem gibt es wieder einen Marine Park direkt vor der Haustür. Das heißt, das wir unseren Bungalow direkt am Strand verlassen könne, fünf Schritte bis zum Wasser gehen und ein buntes, lebendiges Riff vor uns haben. Dementsprechend verbringen wir die Zeit zwischen den Mahlzeiten wieder mit dem Kopf unter Wasser beim Schnorcheln.
Bevor wir wieder zum Mainland zurückkehren, gehen wir am letzten Tag nochmal zum Extrem-Sonnenbaden am Pool über. Und wer hätte das gedacht, regnet es doch tatsächlich am Tag unseres Abflugs. Mal wieder alles richtig gemacht. Nur dass wir uns sowohl an die Hitze auf den Inseln als sogar an den tropischen Regen schon ganz bald zurücksehnen werden…