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Autralia 13 – Agnes Water bis Clairview: Von “mitten im Nirgendwo” zum Ende der Welt

Dieser Tag ist ganz der Straße gewidmet und es geht von Agnes Water, nachdem wir unser angestammtes Frühschwimmen absolviert haben, weiter in Richtung Norden. Dafür müssen wir erstmal in die entgegengesetzte Richtung fahren, denn Agnes Water liegt fast am Ende einer 30 Kilometer langen “Sackgasse” (ganz am Ende liegt ‘Town of 1770′ – Das ist ist wirklich der Name der Stadt!).

Wir passieren Städte wie Gladstone und Rockhampton, deren Größe wir auf der Karte offensichtlich überschätzen; Klartext: Hier ist der Hund verfroren! In Rockhampton nutzen wir die Gelegenheit und biegen auf einen Touristdrive ab, der uns über Yeppoon und Emu Park zurück nach Rockhampton bringt. Der Skeptiker würde es einfach ein 50 Kilometer langen Umweg nennen, aber wir genießen diesen Umweg und versuchen in Yeppoon und Emu Park einen halbwegs belebten Strand zu finden. Strände finden wir ohne Probleme. In Emu Park könnten wir sogar übernachten. Aber es sieht mal wieder wie in einer verlassenen Westernstadt aus; es fehlen nur noch die Strohbüschel die über die Straße wehen. Also ruhen unsere Hoffnungen jetzt auf Yeppoon; nur 10 Kilometer entfernt. Die Stadt ist zwar (etwas) belebter, aber noch nicht das, was wir als lebendig bezeichnen würden. Der Strand ist sogar bewacht (von Lifeguards), aber trotzdem verlassen. Das könnte an der kackigen Mittagssonne oder an dem kräftigen Wind liegen. Wir legen uns an den Strand und versuchen, etwas zu lesen. Nach einer halben Stunde geben wir auf, denn die Bücher sind voll mit Sand und wir fühlen uns wie paniert und gedünstet. Also duschen wir den Sand so gut es geht ab und planen weiter.

weite Prärie statt OzeanIn Marlborough ist in der Karte ein Parkplatz mit Übernachtungsmöglichkeit eingezeichnet. Bis nach Marlborough sind es nochmal 100 Kilometer, die wie Prärie im Wilden Westen wirken. Die Schriftgröße von Marlborough auf der Karte im Vergleich mit Rockhampton, lässt aber schon nichts Gutes vermuten. Und so kommt es dann auch. Wir biegen vom Highway ab und finden uns mitten in einer Siedlung wieder. Es sind sogar einige Menschen auf der Straße bzw. am Rasenmähen (mit einem kleinen Mäh-Traktor), denn dass scheint nach Cricket und Rugbie des Australiers drittliebste Beschäftigung zu sein (Angeln und Grillen nicht zu vernachlässigen). Die Menschen, die wir sehen, gucken uns ungläubig und skeptisch an und irgendwie fühlen wir uns nicht so richtig willkommen. Warum wohnt man hier??? Es ist erst Nachmittag und wir wüssten mit der verbleibenden Zeit hier nichts anzufangen und so fahren wir weiter, bis zur nächsten Station: Clairview. Das ist wirklich mitten im Nirgendwo und sogar noch kleiner als Marlborough, aber zumindest können wir die Zeit mit Fahren verbringen und die Zeit dann später an einem schöneren (sprich: mit Leuten und so…) Ort verbringen.

Clairview ist so klein, dass wir im Dunkeln beinahe die Ausfahrt verpassen. Es gibt genau eine Straße, die parallel zum Highway verläuft. Das ist mehr oder weniger der Ort. Wir finden den Stellplatz aber schnell (500 Meter die Straße runter) und befinden uns in Gesellschaft von mehreren anderen Campern. Immer ein gutes, bestätigendes Gefühl. Vom Strand trennt uns nur eine dünne Linie mit Bäumen und dahinter können wir das Meer entfernt rauschen hören. Offenbar ist gerade Ebbe und wir versuchen, mit der Taschenlampe durchs Watt zu wandern. Die ist aber nicht stark genug und dass führt dazu, dass alles, was wir sehen, nach Mondlandschaft, sehr suspekt und dafür wenig einladend aus. Also entscheiden wir uns dafür, die Sonne für uns arbeiten zu lassen und die Umgebung am nächsten Tag in Augenschein zu nehmen.

Also machen wir uns daran, dass Abendessen zu kochen. Es gibt “Butter Chicken”. Dafür haben wir Hühnchenteile, die natürlich gegrillt werden, Zwiebeln und Tomaten, die ebenfalls auf den Elektro-Barbie wandern. Zum Schluss wird alles mit der guten Sauce von Aldi (Gibt es ja sogar in Australien!) gemixt und nochmal kräftig gewürzt. Das muss man Australien echt lassen, die Grillplätze sind einzigartig!

Australia 12 – Childers nach Agnes Water: Ein Tag am Ende der Sackgasse

Wir wachen mitten im nirgendwo dafür aber in der Gesellschaft mehrerer anderer Camper auf. Da nur die Übernachtungen im Camper auf den meisten Parkplätzen verboten sind, war der Parkplatz genau das richtige dafür. Picknicken ist aber überall erlaubt und entsprechend gibt es schönere Plätze an denen wir frühstücken können. Wir finden einen entsprechenden Platz in Bundaberg bzw. am etwas entfernter gelegenen Strand Bargara Beach. Wie so häufig schläft um uns herum noch alles und wir fangen an unser Frühstück vorzubereiten. Es gibt speck mit Eier, die gute englische Art.

Wir sind mitten beim Frühstücken, als zwei der Autos auf dem Parkplatz neben uns zum Leben erwachen und die Australier aus den Autos in Boxershorts die Stranddusche neben uns für die Morgentoilette benutzen. Speck, Eier, Kaffe mit dem Geruch von Shampoo und duschenden Menschen im Hintergrund ist definitiv eine neue Erfahrung für uns. Aber auch die vorbeilaufenden Spaziergänger gucken weder pikiert noch skeptisch, sondern grüßen die Duschenden freundlich und machen sogar ein bißchen Smalltalk. Offensichtlich macht sich der gemeine Australier nicht viele Sorgen um eventuelle Strafen für das Campen auf normalen Parkplätzen.

Kurze Fahrt nach Mon Repos BeachNach dem Frühstück geht es weiter nach Naturschutzpark Mon Repos. Aktuell ist hier Brutsaison für Schildkröten und sowohl die ausgewachsenen Schildkröten kommen und legen ihre Eier, als auch die schon abgelegten Eier schlüpfen als Schildkröten und machen ihren Weg in Richtung Mond und Meer. Als wir in Mon Repos ankommen kreisen zwei Adler über dem Strand und wir wissen, dass wir ausnahmsweise zur richtigen Zeit hier sind. Dort wo wir eine Art Tickethäuschen erwarten, ist leider nur eine unbemannte Ausstellung. Tickets können nur telefonisch bestellt und gekauft werden. Leider erzählt uns die Frau am Telefon, dass alle Führungen einschliesslich übermorgen ausverkauft sind und ausser den Schildkröten gibt es hier nicht wirklich viel zu sehen. Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht und sind ziemlich enttäuscht, aber drei Tage hier zu warten geht leider nicht. Offensichtlich ist Spontanität in Australien, anders als in Südostasien, nicht so richtig angebracht. Nach kurzer Konsultation des Strassenatlas, wird “Agnes Water” bzw. “Town of Seventeen Seventy / 1770″ zum Ziel erklärt.

Die Sonne geht schon unter als wir in Agnes Water ankommen. Ausser einem Tante Emma laden, unendlich vielen “Campen verboten” Schildern und einem Campingplatz (der wahrscheinlich die ganzen Schilder gesponsort hat) und einem wirklich schönen Strand der geschützt vor Quallen liegt, gibt es hier nicht viel. Der Stellplatz auf dem Campingplatz soll 47 Dollar für eine Nacht kosten, inkl. Stromanschluss. Den brauchen wir aber gar nicht, aber Plätze ohne Strom hat der Campingplatz nur für Zelte und da dürfen wir nicht stehen. Die Spontanität der Australier… Die gute Frau an der Rezeption muss dann erstmal beim Chef nachfragen, ob und wie und überhaupt. Schlussendlich dürfen wir für 30 Dolalr uns auf einen Platz mit Strom stellen müssen aber früh auschecken, so gegen 9:30 Uhr (im Gegensatz zu der normalen Zeit 10 Uhr). Wir hinterfragen nicht und sind einfach froh einen halbwegs günstigen Platz ergattert zu haben, an dem wir ganz heimlich alle Akkus aufladen, die wir haben!

Australia 10 & 11: Ausser Regen nix gewesen

Normalerweise bleiben wir nur einen Tag an einem Ort. Caloundra hat es uns aber doch irgendwie angetan und wir entschließen uns dazu, den ganzen Tag hier zu bleiben. Dafür müssen allerdings die Vorräte aufgestockt werden und dabei entdecken wir sogar ein kleines Kino, welches permanent Filme für sieben Dollar fünfzig zeigt. Und da wir die Nacht eh noch bleiben, gönnen wir uns den Luxus von zwei Tickets für “Sherlock Holmes”.

Den restlichen Tag verbringen wir damit, durch das Örtchen und am Strand entlang zu wandern, was durchaus anstrengend sein kann und viel Zeit beansprucht, aber einfach nur Genuss pur ist!

Bis die Spätvorstellung im Kino anfängt, haben wir noch genügend Zeit, unser Abendessen zu kochen; oder besser gesagt zu grillen. Es gibt Känguruh-Steak! Mit das günstigste Fleisch im Supermarkt und extrem lecker. Wil dund zart!

Dann machen wir uns auf den Weg zur Mini-Shopping-Mall. Das Kino passt zu der Mall und ist sehr gemütlich. In unserem Kinosaal ist der Projektor schief angebracht. Das fällt zwar am Anfang auf, stört aber beim Film nicht weiter. Und für den Preis kann man sowieso nicht meckern. Alles in allem ist das Kino zwar klein, hat aber Charme und ist gemütlich. Schon vor dem Kino wurden die Bürgersteige hochgeklappt und jetzt nach der Vorstellung wirkt es, als würde der ganze Ort schon schlafen. Wir müssen allerdings noch von unserem Tagesparkplatz verwschwinden, denn da wurde leider heute eine Schild mit “No Camping, no Overnight-Stays” angebracht. Und bevor wir mitten in der Nacht mit den Ordnungshütern diskutieren müssen oder einfach nur eine saftige Strafe aufgebrummt bekommen, fügen wir uns lieber und kehren zu unserem angestammten Übernachtungsplatz zurück.

Am nächsten wird Hervey Bay zum Ziel erklärt. Hervey Bay ist ein kleines Dorf ohne Charme, welches jedoch der Ausgangspunkt für Ausflüge nach Frasier Island ist. Frasier Island ist eine reine Sandinsel ohne festen Untergrund. Straßen gibt es hier nicht, man fährt stattdessen am Strand entlang bzw. um die Insel herum. Es gilt strikte 4×4 Pflicht, Zweiradantrieb verboten. Was leider auch wieder uns betrifft, denn Nathan ist zwar absolut verläßlich (und sogar sparsam) aber nicht wirklich strand- und sandtauglich. Dementsprechend müssten wir uns einen 4×4 mieten und mit der Fähre übersetzen. Leider hat es bereits auf der Hinfahrt nach Hervey Bay angefangen zu regnen. Die Wettervorhersage im Radio verspricht auch keine Besserung für die nächsten drei Tage. Und selbst danach sieht es eher verhalten aus. Im Regen auf der Insel zu bleiben, wollen wir nicht und im Ort das schlechte Wetter abzuwarten ist auch keine Option. Also setzen wir Frasier Island aus und planen, dafür die Whitsunday Islands und Whitehaven Beach sowie einen Tauchtripp ins Great Barrier Reef als “Ersatz” ein.

Wir setzten unseren Weg, immernoch im strömenden Regen, fort und fahren nach Noosa. Laut unserem Buch ein sehr schöner Ort, aber bei Regen zeigt sich Noosa nicht von seiner schönen Seite. Wir verzweifeln so langsam etwas und wollen einfach nur noch dem Regen entkommen und fahren wieder weiter. Laut Straßenplan liegt für den Rest des heutigen Tages nicht mehr viel Sehenswertes vor uns und wir kommen in Childers an. Childers hat glücklicherweise einen Rastplatz, wo eine Übernachtung erlaubt ist. Es ist bereits dunkel und wir beziehen unseren Platz neben der “Autobahn” (die nicht mehr als eine Landstraße ist) und lassen uns von dem Prasseln des Regens auf dem Van-Dach und den Schlaf trommeln.

Australia 9: Vorm Frühstück erstmal ins Meer

Wir werden sehr früh morgens von der Sonne geweckt. Abende ohne Elektrizität und das früh erwachende Leben um den eigenen Camper herum, verschieben den Tagesrhythmus. Zur aufgehenden Sonne schwimmen wir ein paar Runden in der “hauseigenen” Lagune. So könnte jeder Morgen beginnen! Das Salzwasser abduschen und dann gibt es Frühstück. Für den Instant-Kaffee müssen wir zum ersten Mal unseren Gaskocher anwerfen. Die Konstruktion ist nicht besonders geschickt, denn ohne die Flamme auzublasen, nimmt der Wind die Hitze mit, so dass nach den Zwiebeln jetzt unser Kaffeewasser eine halbe Ewigkeit braucht. Keine Termin, keine Eile, kein Stress. Aber für das nächste Mal Wasserkochen merken!

Ziel für heute ist Brisbane, was in Queensland liegt. Lebensmittel zwischen Queensland und New South Wales zu transportieren ist teilweise mit horrenden Strafe versehen (wie so viele Sachen hier) und wir wollen uns vor dem Grenzübertritt erkundigen, was wir mitnehmen dürfen und was nicht. Aber bevor wir uns versehen sind wir schon in Brisbane und all die Vorsicht und Sorge war ohne Grund.

Wir wollen den ganzen Tag in Brisbane verbringen, aber das stellt sich als etwas schwierig dar, denn wir finden in der Stadt keinen einzigen Parkplatz, auf dem wir länger als zwei Stunden stehen dürfen oder weniger als zehn Euro bezahlen müssen. Wir entscheiden uns erstmal für eine Stunde und erkunden die Stadt auf der „Southbank“-Seite (links vom Fluss). Hier gibt es eine künstlich angelegte Lagune mit Strand und Kinder-Wasserspielen, die alle umsonst nutzen können. Also kein Eintritt wie in deutschen Freibädern, die nicht halb so schön aufgemacht sind. Zudem hat man Blick über den Fluss auf „Downtown“ Brisbane und die Promenade (auch wenn nur am Fluß entlang) zum Spazieren gehen. Während unserer Besuchsstunde, kommt uns die Stadt beziehungsweise die Promenade nur halbvoll vor, was aber auch durchaus angenehm sein kann. Nach und nach kommen mehr Leute und wir wundern uns. Anhand des Parktickets fällt uns dann auf, dass hier irgendwas zeitlich nicht stimmen kann. Aber wir wissen nicht was…

Nach weiteren zwei Stunden in der Innenstadt, entscheiden wir uns weiter zu fahren und kommen in der Dunkelheit in Caloundra an, dem ersten und angeblich schönsten Ort der Sunshine Coast. Das können wir im Dunkeln leider nicht nachvollziehen und suchen uns einen Platz an dem wir wieder übernachten und kochen können. Das gestaltet sich diesmal relativ unkompliziert. Übung macht den Meister.

Australia 8: Lennox Heads, viel Regen und das kleine Surfer Dorf

Einer der vielen Vorzüge, auf einem Campingplatz zu übernachten, sind die bereitgestellten Küchen. Kühl- und Gefrierschränke, Grill- und Herdplatten, Mikrowellen und Toaster. So genießen wir am nächsten Morgen nochmal alle Vorzüge und brechen im Anschluss nach Byron Bay auf. Leider haben sich in der Zwischenzeit mehr Wolken eingefunden, die sich ausgerechnet hier erleichtern: Es regnet Bindfäden. Trotzdem kommen uns Armadas an Joggern und anderen Fitness-/Yoga-Fanatikern entgegen. Nach unserem Frühstück bekommen wir ein wenig schlechtes Gewissen, was aber ganz schnell wieder ruhig gestellt ist. Viel zu sehen gibt es in Byron Bay, wie wahrscheinlich in jeder Strandstadt oder jedem Ort das am Meer liegt, bei Regen nicht. Leider behält auch das Buch recht und die Preise liegen deutlich über dem Durchschnitt, so dass wir auch den Kaffee überspringen.

Wir kommen ungefähr zur Mittagszeit in Surfers Paradise an. Der Name lässt mal wieder einen kleinen verträumten Ort vermuten, aber weit gefehlt. Surfers Paradise beheimatet das höchste Gebäude Australiens und wimmelt auch sonst von zig-geschossigen Wohnblöcken, die sich dem Meer zuwenden. Die Sonne lässt sich noch immer nicht blicken, dafür hat aber der Regen aufgehört. Das Erste, was dann gemacht werden muss: Schuhe ausziehen, die Füße ins Wasser stecken und am Strand entlang spazieren.

Mit dem trockenen Wetter lassen sich auch die ersten Griller blicken. In jeder Stadt oder in Strandnähe gibt es öffentliche Grillplätze, einfach ein quadratische Stahlplatte, die elektrisch erhitzt wird. Einfach nur den Knopf drücken, vollkommen kostenlos. Ich vermute, in Deutschland würden die Platten eine Woche durchhalten, bevor sie voll geschmiert oder verwüstet wären. Hier geht das Konzept auf jeden Fall auf und alle Grillplätze, die wir bisher gesehen haben, sahen nahezu makellos aus. Und wie es beim Grillen so häufig ist, die Frauen decken den Tisch und machen wahrscheinlich Salate und Brote und alle Männer stehen mit einem Bier um den Grill herum.

Damit steht auch schon unser Plan für den Abend. Leider können wir allerdings nicht in Surfers Paradise stehen bleiben; zumindest nicht über Nacht. In paar Kilometer weiter begrüßt uns die Stadt Labrador jedoch herzlicher. Strand, Grillplätze (oder auf australisch Barbies – von Barbeque) und ein Parkplatz auf dem wir übernachten dürfen. Daumen hoch! Zum Dinner gibt es Hot-Dogs. Da die australischen Supermärkte offenbar aber keine Röstzwiebeln kennen, müssen wir uns selber helfen. Da wir noch etwas skeptisch bezüglich der Hygiene der Grillplatten sind, benutzen wir Alufolie. Das führt aber dazu, dass die Zwiebeln eine halbe Ewigkeit brauchen, auch weil wir kein Öl dabei haben. Aber da wir ja bekanntlich keine Termine und keinen Stress haben, lassen wir den Zwiebeln einfach ihre Zeit und legen die Würstchen daneben. Das sollte zumindest das Öl-Problem lösen.

Nach Hot-Dogs und Sonnenuntergang machen wir uns und den Camper bereit für das erste freiwillige “Street Camping” mit dem Wissen, dass wir nicht alleine sind.

Australia 7: Von “Wo bin ich hier eigentlich?” bis Lennox Heads

Wir fahren früh morgens weiter und landen nach kurzer Fahrt in dem kleinen Örtchen Seal Rocks. Es ist noch nicht einmal 8 Uhr morgens und die Stadt sieht noch recht verschlafen aus. So wie wir uns fühlen. Wir finden aber eine kleine Straße, die direkt zum Strand führt. Hier stehen noch zwei andere Camper, die hier offenbar übernachtet haben und gerade erst aufwachen. Wir fühlen uns also in guter Gesellschaft und packen unsere Vorräte aus, kochen unseren ersten Camping-Instant-Kaffee und stellen unseren Camping-Tisch mit den entsprechenden Hockern auf. So langsam kommen die Lebensgeister zurück und wir nehmen unsere Umgebung besser war und genießen den tollen Ausblick.

Wir eisen uns von dem Ausblick los und fahren weiter. Ziel für heute ist Byron Bay bzw. Lennox Heads, da Byron Bay häufig überlaufen und überteuert sein soll. Der Weg führt uns durch mehrere Wälder und an Seen vorbei, auf deren spiegelglatten Oberflächen sich die noch goldene Sonne spiegelt. Ein toller Anblick aber der erinnert eher an Kanada als an Australien, zumindest so wie ich mir beides vorstelle (ohne in einem der beiden Länder jemals gewesen zu sein).

Nach einigen hundert Kilometern kommen wir in Lennox Heads an. Endlich sieht die Küste aus, wie wir sie uns vorgestellt haben! Von einem Aussichtspunkt können wir hinunter auf den Strand und das Meer schauen und entscheiden uns, hier zu bleiben und nicht weiter bis Byron Bay zu fahren. Eine kleines süßes Örtchen, in dem wir unserem ersten “Drive-Thru-Bottle-Store” begegnen. Aufgrund unserer frühen Ankunft finden wir einen Campingplatz, der noch offen ist, Plätze frei hat und (fast) direkt am Meer liegt. Dazu kommen wir wieder in den Genuss einer heißen Dusche.

Nach ein bisschen Einleben auf dem Campingplatz gehen wir trotz ein paar Wolken an den nahe gelegenen Strand und baden und sonnen uns ein wenig. Zumindest soweit das möglich ist, bevor sich die ersten Wolken dazu entschließen sich zu erleichtern. Der Nieselregen ist aber schnell vorbei und wir kaufen im Drive-Thru die Getränke für den heutigen Abend bevor wir uns ans Kochen machen. Standesgemäß gibt es natürlich Nudeln, dazu ein großes Tooheys (Bier) für mich und zwei kleinere Barefoot (Radler) für Pia. Das Radler schmeckt aber wie sein Name: weder nach Bier noch nach Sprudel, eher wie eingeschlafene Füße. Das schmälert aber ein keinster Weise den Genuss, ohne schlechtes Gewissen und erlaubterweise zu campen und ruhig zu schlafen.

Australia 5 & 6: Es ist ein Van!

Nach dem Silvesterabend liegt jetzt für den Neujahrstag nichts Besonderes an, außer warten, dass unser Camper-Verleih wieder offen hat. Da an Neujahr aber alles und jeder, außer „Maccas“ (australisch für McDonalds) geschlossen hat, schlendern wir recht ziellos durch die Innenstadt und warten gespannt auf den morgigen Tag.

Am 2. Januar machen für uns dann auf den Weg. Die Abholung ist erst für 11 Uhr vereinbart. So bleibt noch Zeit für ein paar Erledigungen und Frühstück. Den Weg bis zur Van-Vermietung ist mit 3 Kilometern zu weit zum Laufen und wir nehmen uns ein Taxi. Der Taxifahrer hat den Taxameter schon angeschaltet, bevor wir überhaupt im Auto sitzen. Bevor der Kollege überhaupt weiß, wo wir hin wollen, müssen wir schon 4 Dollar bezahlen. Eigentlich müssen wir die Straße auf der wir eingestiegen sind nur geradeaus fahren. Der Fahrer beteuert aber, die Straße würde hier aufhören (die Hausnummern nehmen in unsere Fahrtrichtung stetig ab und wir sind bei 350). Nach dem wir ihm dann die Querstraße nennen und auch sein Navi ihm beteuert er soll einfach geradeaus fahren, kommen wir nach zehn weiteren Minuten an.

Die Parkplätze auf der Straße sind gespickt mit Vans, die definitiv “Wicked” aussehen(der Name und das Motto unseres Vermieters!). Wir gehen in die Baucontainer, die das Büro darstellen und sind Dritte in der Schlange. So richtig zügig sind die Damen an der Rezeption nicht und so müssen wir ein “paar Minuten” warten, bis wir dran sind. Mittlerweile ist die Schlange aber schon weit über 15 angewachsen und wir sind froh, so früh angekommen zu sein. Unsere Registrierung läuft soweit zügig und problemlos. Wir müssten allerdings nur noch kurz auf den Van warten, der wird nochmal durch gecheckt und sauber gemacht. Das soll ca. eine Stunde dauern und in der Nähe wäre ein „Maccas“, falls wir hungrig oder durstig wären. Sind wir nicht, aber eine Stunde in der bulligen Hitze rumsitzen ist auch doof.

Nach einer halben Stunde sind wir wieder zurück und kommen mit einer anderen Deutschen ein wenig ins Plaudern. Bei ihrer Dreiergruppe hat die Kreditkartenzahlung nicht geklappt. Heute offenbar kein Einzelfall, und so sind ihre Mitreisenden erstmal auf der Suche nach ATM (Geldautomat). Nach einer weiteren halben Stunde warten wir immer noch auf unseren Van und die andere Gruppe hat zwei Drittel des Geldes abgehoben bekommen und kann sich damit schon mal registrieren (und muss dann noch eine Stunde bis zum Checkout warten). Wir wissen schon, welchen Van wir bekommen und eigentlich sieht er auch schon aus, als wäre er zur Abholung bereit. Jeder Van hat einen Namen und mehr oder weniger vulgäre Bemalungen. Wir rechnen uns das Schlimmste aus und werden mehr als positiv überrascht: Nathan hat lediglich ein paar Kangaroos auf der Seite, die nach Aboriginee-Zeichung aussehen und auf der Heckklappe “Don’t cry because it’s over, smile ‘cos it happened”. Im Gegensatz zu den Sprüchen einiger anderer Vans, sind wir sehr, sehr, sehr gut weggekommen!

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Australia 4 – Sydney: NYE – Picknick extreme

Silvester oder besser „New Year’s Eve“ steht vor der Tür. Da wir weder 895 australische Dollar für Operntickets, noch 700 für eine Dinnercruise noch 300 für eine verlängerte Hafenrundfahrt ausgeben wollen, machen wir es wie Tausende andere und picknicken auf einem der vielen Grünflächen Sydneys mit mehr oder weniger schönem Blick auf die Harbour Bridge. Wie entscheiden uns für den „Mrs. Maguire Garden“ und haben schon am Vortag reichliche Picknick-Vorräte eingekauft. Ein wenig Sorgen macht uns der Wetterbericht, wonach es ab 17 Uhr anfangen soll zu regnen, was für Picknick etwas kontraproduktiv ist.

Alle Bereiche um die Feuerwerke sind weiträumig für den Verkehr gesperrt und wir haben einen ordentlichen Fußmarsch mit unserer Picknick-Kiste vor uns. Auf dem Weg zum Eingang kommen wir an einen sehr, sehr, sehr langen Schlange aus Menschen vorbei. Wo die wohl hinwollen?! Wir stellen uns doof und gehen einfach mal weiter und fragen den nächsten Ordner wo denn der Eingang ist. Der lächelt nur und zeigt in die Richtung aus der wir gekommen sind. Mist! Circa ein Kilometer Schlange und mindestens eine Stunde Wartezeit! Wir gehen gemütlich den Weg zurück und schleichen uns mehr oder weniger unauffällig in die Schlange ein. Der Gruppe hinter uns entgeht das zwar nicht, wird aber nur mit einem „that was sneaky“ und einem fetten Grinsen quittiert. Die Schlange bewegt sich zum Glück stetig weiter und nach der obligatorischen Taschenkontrolle auf der Suche nach Glas und Alkohol (was beides nicht erlaubt ist) sind wir endlich auf dem Gelände angekommen. Das Gelände ist leider mit ollen Bäumen übersäht, die die Sicht blockieren und die wenigen Plätze mit unbeschränkter Sicht, sind schon seit Stunden von den asiatischen Kollegen mit den riesigen Kameras, Objektiven und Stativen eingenommen. Was wäre eine Betonwüste jetzt toll. Würde an den 364 anderen Tagen des Jahres aber blöd aussehen.

Allerdings sind in der „Alcohol free zone“ noch hervorragende Plätze frei. Wir stellen uns also an, denn Alkohol muss an Silvester ja auch nicht. Was macht man nicht alles für eine gute Sicht. Allerdings gehen dem Ordner die Einlass-Armbänder aus: Kapazität erreicht. Angeschmiert, auch wenn in der Zone noch reichlich Platz ist. Wir ergeben uns dem Schicksal und finden fünf Minuten später einen Platz mit halbwegs ordentlichem Blick auf die Brücke. Decke ausgebreitet, Proviant aufgebahrt und gemütlich gemacht. Der für 17 Uhr versprochene Regen kommt schon um 14 Uhr und dafür nur als Niesel. Nach einer halben Stunde ist der Niesel weiter gezogen und der Himmel bricht an einigen Stellen auf und lässt die Sonne durch, was von der Menge gleich bejubelt wird, als hätte die Heimmannschaft beim Cricket gewonnen.

Natürlich haben wir uns gleich die Bäuche kräftig voll geschlagen. Vorräte sind noch genügend vorhanden, es will aber einfach nichts mehr passen. Und der kleine Luxus einer Flasche Rotwein, den wir uns statt Sekt zum Anstoßen gönnen wollen, muss ja bald auch noch passen. Als wird der Picknick-Korb vorerst und vorübergehend geschlossen und wir warten auf das Kinderfeuerwerk, denn die Kleinen sollen ja nicht bis Mitternacht aufbleiben müssen, nur für „so ein bisschen Feuerwerk“! Das Feuerwerk wird nicht nur auf der Harbour Bridge gezündet, sondern auch noch von mehreren anderen Plätzen. Die anderen beiden nächstgelegenen, liegen von uns aus gesehen natürlich hinter zwei Bäumen. Dumm gelaufen, denken sich auch mehrere andere um uns herum, stehen auf und versuchen irgendwie besser Plätze zu ergattern. Wir sind eigentlich ganz zufrieden mit Sicht und Platz und eventuell auch zu so später Stunde etwas zu faul um nochmal alles einzupacken und zu einem anderen Platz zu schleppen und so nutzen wir die Gelegenheit und rutschen ein bisschen auf die noch besseren Plätze. Der geplante Mitternachtsrotwein kostet schlappe 40 australische Dollar und schmeckt hervorragend.

Zu jeder vollen Stunde wird ein Minifeuerwerk als Countdown gezündet. Die Gangart wird in der letzten Stunde noch etwas schneller und es wird zu jeder Viertelstunde ein Feuerwerk gezündet. Um fünf Minuten vor zwölf wird die Belichtung unseres Parks ausgeschaltet und die Spannung steigt. Dann beginnt das zwölf-minütige Spektakel und ist doch viel zu schnell vorbei. Das Feuerwerk ist so mächtig, dass wir selbst durch die Bäume die meisten Effekte sehen können, die Harbour Bridge als Mittelpunkt sowieso.

Nach dem Feuerwerk wird es denn doch recht schnell ungemütlich, denn anstatt die Stimmung noch etwas zu genießen, wird noch schnell jedem der in Sicht- oder Hörweite ist, eine „Happy New Year“ entgegnet, dann werden die Sachen gepackt und es geht auf den Weg aus dem Park. Wir schließen und mehr oder weniger gezwungener Weise an und brechen den Marsch zu unserem Hostel an. Eigentlich reicht es auch. Immerhin waren wir über 14 Stunden mit Silvester Zugange.

Da wir die Vorräten doch recht gut dezimiert haben, fällt das Gepäck deutlich leichter aus als auf dem Hinweg. So muss es den zig tausenden Anderen wohl auch gehen und so läuft der Rückweg absolut zügig und reibungslos ab. Sydney hatte da wohl schon ein paar mal Gelegenheit zu üben und Erfahrungen zu sammeln. Zu hause angekommen, schreiben wir noch schnell einige „gute Rütsche“ an die Verwandtschaft, die ja zu dieser Zeit nicht mal im gleichen Jahrzehnt wie wir sind!

Australia 3 – Sydney: Ist denn hier überall Wasser?

Der Jet-lag fordert immer noch seinen Tribut und nach einer unruhigen Nacht, die aus irgendeinem Grund meint, dass um 4 Uhr morgens genug genug ist, versuchen wir noch so viel Schlaf zu bekommen wie möglich, bevor wir bei bewölktem Himmel den Plan für heute ausarbeiten. Wenn das Wetter nicht mitspielt, sind die Möglichkeiten in Sydney auf einmal sehr beschränkt. Wir machen uns also auf den Weg zum Darling Harbour. Wer die V&A Waterfront in Kapstadt kennt, kann sie ungefähr damit vergleichen. Wenn nicht, ist es mehr oder weniger eine Ansammlung von Restaurants und kleinen Souvenir- und Klamottengeschäften um das Hafenbecken herum. Eine Kino (das größte iMax der Welt) darf natürlich nicht fehlen und da dass Wetter die Möglichkeiten einschränkt, versuchen wir nochmal ein paar Kinokarten für Avatar zu bekommen: “Sorry dear, the next available tickets are for the show on the 4th” und ein mitleidiges Lächeln der Kassiererin später sind wir wieder vor der Tür des Kinos… ein Satz mit “x”. Also stromern wir noch ein bisschen um das Hafenbecken herum und gucken den mehr oder weniger begabten Kleinkünstlern zu und merken wie das Wetter langsam aufklärt. Und Dank des schönen Wetters eröffnen sich auch wieder ganz andere Möglichkeiten, z.B. Strand. Aber nicht einfach nur zum Dösen, sondern zum entdecken (wir haben auch gar keine Strandsachen dabei, da beim Aufstehen ja schlechtes Wetter war).

Wir buchen also ein Fährticket nach Watsons Bay, One-Way weil wir die Fähre gerade verpasst haben und die nächste erst in einer knappen Stunde fährt und für heute die letzte Fähre ist. Zum Glück hat Sydney ein Nahverkehrsnetz (im Gegensatz zu Südostasien) und wir können für den Rückweg auf die Buslinie zurückgreifen. Wir schlendern also noch ein bisschen herum und stellen uns rechtzeitig in die Schlange für die Fähre an. Die Fähre kommt pünktlich und entlädt erstmal die Passagiere. Wir haben einen Platz direkt an einem der beiden Eingänge und es sollte eigentlich möglich sein, schnell auf die Fähre zu kommen. Nach dem Entladen werden die beiden Gangways aber wieder eingefahren und die Fähre verschwindet völlig leer und die nächste Fähre legt auf der anderen Seite unseres Stegs an. Andere Fähre, gleiches Spiel. Eine halbe Stunde später stehen wir immer noch am Steg und warten. Es kommen so langsam die Erinnerungen an Asien wieder, aber dann kommt tatsächlich eine leere Fähre an und wir können hoffentlich an Bord. Wenn unser Eingang aufgemacht werden würde; würde, nicht wird. Wird er nämlich nicht und wir müssen uns zum anderen Eingang durchschlagen. Als wir beim Eingang angekommen sind, wird dieser quasi vor unserer Nase zugemacht: Fähre voll. Da das die letzte Fähre sein sollte, machen sich dank einiger Erfahrungen der bisherigen Reise gewisse Befürchtungen breit. Aber auch wenn man in Australien alles gelassen nimmt (“No worries, mate!”), ist es doch anders als in Asien und es kommen noch genügend Fähren, um alle Passagiere aufzunehmen. Wir sind mittlerweile an unserem alten Eingang zurück und kommen auch als eine der ersten an Bord und können die zehn-minütige Reise auf super Plätzen mit sehr schönen Blicken auf Harbour Bridge und Oper genießen.

Kurze Zeit später kommen wir in Watsons Bay an, was zwar noch zu Sydney zählt, aber eher wie ein kleines Küstendorf anmutet. Keine Hektik, kein Lärm. Nur mittlerweile blauer Himmel und blaues Wasser (und eine etwas höhere Dichte an Luxusautos). Ein bisschen wie Camps Bay in Kapstadt. Nicht das Einzige, was eine Ähnlichkeit zwischen den beiden Städten nahe legt. Wir genießen die Landschaft lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen und kommen noch an einer Klippe „the Gap“ genannt. Die Klippe soll besonders beliebt bei Selbstmordversuchen sein, weshalb die Stadt auch gleich Maßnahmen ergriffen hat:

Und wie es sich für einen Tag am Strand gehört, schließen wir diesen standesgemäß mit Fish’n'Chips und Calamari’n'Chips ab, bevor wir mittels öffentlichen Nahverkehrs nach Hause fahren und die Einkäufe für Silvester erledigen: Es wird extrem gepicknickt!

Hong Kong to Australia 1 & 2 – Sydney: Wo bitte ist die Sonne?

IMG_0760.JPGDen schweren Vorhängen im Hotel in Hong Kong sei dank, können wir nahezu 12 Stunden Schlaf genießen und eigentlich würde ich erwarten, mich wie neu geboren zu fühlen. Aber irgendwie war das wohl eine falsche Annahme, dass man den Jet-Lag so schnell wegsteckt. Also checken wir schweren Herzens aus unserem – für unsere Verhältnisse – Luxushotel aus und machen uns als Erstes auf den Weg zum “In-Town-Check-in”. Eine wirklich praktische Erfindung, wenn man erst abends fliegt und mittags bereits sein Gepäck in der Stadt einchecken und später nur mit dem Handgepäck zum Flughafen fahren kann. Wir sind schon auf dem Weg nach Kapstadt in den Genuss gekommen und unsere Befürchtungen, dass unser Gepäck eventuell andere Wege als wir gehen könnte, wurden nicht bestätigt.

Wir sind am Rätseln, wie wir die verbleibende Zeit bis zum Boarding überbrücken können und entscheiden uns, ganz exotisch, für Kino. Aber nicht irgendein Film, sondern Avatar. Nach etwas Überredungskunst ist auch Pia einverstanden. Wir sind uns einig: Jetzt nur noch Karten kaufen und los geht’s. Allerdings ist das Kino für den ganzen Tag ausverkauft, und den folgenden Tag auch. Also ziehen wir schnell das fast überall verfügbare Internet zu Rate und finden nach ein paar Minuten ein zweites Kino. Eine halbe Stunde später stehen wir dann am Schalter und hören erneut die schlechte Nachricht, dass der Film bis auf einen Platz ausverkauft ist. Wir wenden uns schon enttäuscht ab, als die guten Frau bemerkt, dass der Film auch noch in einem zweiten Saal läuft und dort noch genau zwei Plätze frei sind. Ob wir die Plätze haben wollen? Na klar, her damit!!!

Drei Stunden später sind wir ein echtes Kinoerlebnis reicher und perfekt im Zeitplan, um rechtzeitig zu Boarden. Anders als in Asien, und Hong Kong können wir nicht wirklich zu Asien zählen, läuft hier in Sachen Transport und Planung alles reibungslos. Um kurz vor acht stehen wir also in der Schlange und warten auf das Boarden. Leider hat unsere innere Uhr das mit der Uhrzeit noch nicht so ganz raus und so ist Schlaf auf dem Flug eher eine Rarität. Um die innere Uhr komplett auf Glatteis zu führen, ist es in Sydney nochmal zwei Stunden später als in Hong Kong. Also wie spät es auch immer ist, wir sind nicht müde und können nicht schlafen und dann sind wir auch schon in Sydney.

IMG_0844.JPGVor der Gepäckabholung werden wir nochmal darüber aufgeklärt, dass es höchst illiegal ist, Lebensmittel nach Australien einzuführen. Da wir noch ein paar Dominosteine und Goldbären in der Tasche haben und schon die ersten Spürhunde um unsere Beine herumgeschnüffelt haben, fragen wir doch lieber einen der Zollbeamten. Der winkt ab, Goldbären und Dominosteine sind ok, aber ob wir frisches Obst dabei hätten oder Snacks und Sandwiches aus dem Flugzeug. Wenn der wüßte, wie das Essen auf unserem Qantas Flug geschmeckt hat…! Danach dürfen wir durch den Express-Ausgang den Flughafen verlassen und machen unsere Erfahrung mit dem etwas angehobenen Preisniveau in Australien: Der Shuttle-Bus der das Terminal mit der sechs Kilometer entfernten Innenstadt verbindet, kostet schlappe 10€ pro Person. Dafür werden wir direkt vor unserem Hostel abgeliefert, wo unsere zwei Betten im Vierer-Schlafsaal zusammen 50€ kosten. Nach den Preisen aus Südostasien ein echter Schock für uns.

Da es heute zwischen bewölkt und Nieselregen schwankt, plagt uns kein schlechtes Gewissen, als wir versuchen noch ein bißchen zu schlafen um dem Jetlag zu entkommen. Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg zum Hafen. Sydney ist erstaunlicherweise nicht nicht so groß, als dass man auf Bus und Bahn angewiesen wäre und zu Fuß kann man eh am meisten sehen. Eigentlich hätte auch der “Harbour Bridge Climb” auf unserem Plan gestanden, aber während der Peak-Season, die genau mit unserem Aufenthalt in Sydney zusammenfällt, soll das Begehen der Brücke 140€ pro Person kosten, und das sprengt nun leider wirklich unser Budget. Wir begnügen uns damit die Harbour Bridge, Oper und den Botanischen Garten auf kostenlosen Wegen zu erkunden. Sydney soll bei Sonnenschein eine der schönsten Städte auf dieser Welt sein und sei es aufgrund des Jetlags oder des heutigen Wetters, so richtig haut uns die Stadt nicht um… Noch nicht.

Am nächsten Tag scheint, entgegen der Wettervorhersage, die Sonne und schon hat Sydney ein komplett anderes Gesicht! Da man der Wettervorhersage offensichtlich nicht zu sehr vertrauen sollte, nutzen wir die erstbeste Gelegenheit und fahren mit dem Bus zu Bondi Beach, dem berühmtesten Strand Sydneys.
Strand, ich komme!
Einfach nur in die Sonne legen ist aber heute nicht angesagt, denn wir wollen laufen von Bondi Beach bis nach Coogee Beach. Dazwischen liegen mehrere weitere Strände, die alle randvoll mit Menschen sind. Das Wasser ist an allen Stränden glasklar und so blau wie der Himmel. Es gibt sehr Vieles, was Sydney mit Kapstadt gemein hat. Die Wassertemperatur gehört, zum Glück, nicht dazu. Steckt man in Kapstadt die Füße ins atlantik-kalte Wasser, fangen die Knöchel nach wenigen Minuten an zu schmerzen. Ganz anders in Sydney. Wir machen eine kurze Pause am Tamarama-Beach und springen schnell in die Fluten, die mit 21 Grad angenehm kühl sind.

Bevor wir Gefahr laufen einzunicken, setzen wir unseren Weg fort, bis wir in Clovelly Beach wieder “gezwungen” werden anzuhalten. Die kanal-ähnliche Bucht ist beidseits in Beton eingefasst und ein paar Felsen am Eingang schützen vor allzu hohem Wellengang. Nicht schön, aber ein perfektes Schnorchelrevier. Da ich eh noch die Badesachen anhabe, springe ich kurz in das fantastische Wasser, bevor wir unseren Weg wieder fortsetzen.

Wir kommen rechtzeitig zur Dinnertime in Coogee an und suchen uns eine Kleinigkeit zu essen. Da die Preise aber außerhalb der Stadt dramatisch fallen, lassen wir uns zu Surf’n'Turf (Seafood und Steak) und Rumpsteak in Pfeffersauce verführen. Heute hat Sydney wirklich bewiesen, dass es (bei Sonnenschein) eine der schönsten Städte der Welt sein kann.